|
>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
Herzlich Willkommen bei der Familie Gossing! Letzter Stand: 08.08.2011
Bienvenue dans la famille Gossing! Mise à jour: 08.08.2011
Welcome to the Gossing family! As of 8th August 2011
<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<
Mit dieser Homepage der Gossing-family soll versucht werden die Informationen, die im Rahmen von Nachforschungen von vielen Personen erbracht wurden, zu veröffentlichen. Dabei ist es das vorrangige Ziel
-
die noch bestehenden Lücken und Verknüpfungen der einzelen Gossing-Familienzweige zu schließen bzw. herzustellen.
-
die Frage zu klären versuchen woher ursprünglich die Familie Gossin/Gossing tatsächlich kam.
Es soll allen anderen mit dem Familiennamen Informationen zur Verfügung gestellt werden, um ihre Familiengeschichte ggf. vervollständigen zu können. Dies vor allem auch vor dem Hintergrund, das viele Angehörige der Familien aus dem Osten Deutschlands, die auf Grund von Krieg und Vertreibung ihre Familienurkunden nicht mehr besitzen oder dass es aus anderen Gründe zu deren Verlust geführt haben. Weiterhin sollen Information über die Zeit zu Beginn des 18. Jahrhunderd über das Aus- und Einwanderungsland gegeben werden.
>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
Historischer Hintergrund
Preußen zu Beginn des 18. Jahrhunderts
Wenn wir heute von Ostpreußen sprechen, dann ist diese Bezeichnung zu Beginn des 18. Jahrhdt. noch nicht amtlich. Die Bezeichnung „Ostpreußen“ wurde erst 1773 nach der Gewinnung Westpreußens (1772) durch Brandenburg-Preußen amtlich zur Kennzeichnung der östlichen preußischen Landschaft. Davor hieß es einfach „Preußen“.
Doch bevor wir uns dem Ostpreußen zu Beginn des 18. Jahrhdt. zuwenden einen kurze Darstellung der Zeit davor.
Der Weg nach Königsberg
• Man schätzt, dass im ostpreußischen Gebiet bereits 2.000 v. Chr. die ersten Menschen siedelten. Ostpreußen lag zwischen Polen und Litauen. Der nördliche Teil des einstigen Ostpreußens bildet heute das russische Kaliningrader Gebiet.
• Die ursprüngliche Bevölkerung in Ostpreußen waren die Pruzzen. Die ersten Reiseberichte aus Ostpreußen stammen aus dem 11. Jahrhundert. Bereits im 10. Jahrhundert war diese Gegend sehr begehrt, sowohl von den Deutschen als auch von den Polen und es kam immer wieder zu Kämpfen. Für die Polen waren die Gebiete von Ostpreußen deshalb von Bedeutung, weil sie dadurch einen offenen Zugang zur Küste erhofften. Nachdem mehrere Versuche, das Land zu erobern scheiterten, verbündete sich Konrad von Masowien mit dem Deutschen Ritterorden. Der Ritterorden bekam für seine militärische Unterstützung Landrechte in Ostpreußen. 1226 bestätigte Friedrich II. mit der Goldenen Bulle von Rimini diesen Besitz, später wurde er auch von Papst Gregor IX. höchstpersönlich bestätigt.
• Die Geschichte von Ostpreußen war nun durch die Christianisierung der Bevölkerung geprägt. Die vier Bistümer, in die Ostpreußen aufgeteilt wurde, unterstanden dem Erzbischof in Riga. Aber auch die Schweden hatten Einfluss auf die Geschichte in Ostpreußen, so hatten sie lange Jahre die Herrschaft inne. Im Jahre 1544 wurde die Universität Albertina in Königsberg gegründet. Sie wurde nach ihrem Initiator Herzog Albrecht aus Schweden benannt.
• Als letzter Hochmeister in Preußen säkularisierte Albrecht von Brandenburg-Ansbach 1525 schließlich den restlichen Ordensstaat mit seiner Hauptstadt Königsberg, trat zum evangelischen Glauben über und nahm Ostpreußen vom polnischen König Sigismund, seinem Onkel, als erbliches Herzogtum zu Lehen. 1568 erbte Albrecht Friedrich den Posten seines Vaters Albrecht. Dieser Sohn litt allerdings an einer Geisteskrankheit und so ging die Herrschaft über Ostpreußen an die Hohenzollern, die bis 1596 andauerte. Durch die Vereinigung mit Brandenburg entstand das Königreich Preußen. Erst 1657 beendete der Große Kurfürst im Vertrag von Wehlau das Abhängigkeitsverhältnis zu Polen. Er beendete die Herrschaft der Schweden mit dem Sieg bei Fehrbellin 1675 und der Eroberung von Schwedisch-Pommern und bot den Hugenotten mit dem Edikt von Potsdam 1685 eine neue Heimat an. Auch Schweizer hat der Große Kurfürst bereits kurz nach dem 30jährigen Krieg als Kolonisten ins Land geholt, die Bauern erfolgreich im Golmer Bruch bei Potsdam angesiedelt, so dass es ihm sein Sohn Friedrich III. nachtat, der sogar Schweizer als Gardisten zur Armee anwarb.
1701 krönte sich der Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg-Hohenzollern in Königsberg selbst zum König Friedrich I. in Preußen.
Multi-Kulti Migration im preußischen Urland!
Seit 1650 muss Ostpreußen unter entsetzlichen Heimsuchungen leiden. 1656 entführen die Tataren 34.000 Menschen in die Sklaverei, weitere 80.000 sterben an Seuchen. 1709 werden 235.806 Menschen, mehr als ein Drittel der Bevölkerung, Opfer der Pest. Land, Wirtschaft und Leute sind verelendet. 1711 veröffentlicht Friedrich I. ein "Einwanderungspatent", das zahlreiche Zuwanderer aus der Pfalz, vom Rhein und vom Main, Holländer, Schweizer, Böhmen und Franzosen ins Land zieht. Die spektakulärste Aktion aber findet 1732 statt. Im Salzburgischen lebende Protestanten sind durch den militanten katholischen Erzbischof Firmian von Salzburg den ärgsten Repressalien ausgesetzt. Das protestantische Europa ist empört, Friedrich Wilhelm I. (der "Soldatenkönig") handelt. Am 2. Februar 1732 erlässt er ein Einwanderungspatent, schickt Kommissare los, die Transport und Reise der Salzburger betreuen. So ziehen lange Flüchtlingstrecks unter dem Schutz preußischer Kommissare auf deutschen Straßen nach Berlin, wo sie im April bereits ankommen. Dann geht es weiter nach Stettin zur Einschiffung nach Königsberg.
"Die Manufacturisten nach der Neumark, die Ackerleute nach Preußen", ordnet der König an.
Der Zug der Salzburger ist historisch detailliert gut beschrieben, weil er durch das preußische Verwaltungwesen ziemlich exakt kontrolliert und schriftlich durch Bericht, Meldungen und Kostenaufstellungen nachvollziehbar ist.
Die logistisch bis ins Detail geplante Aktion kostet etwa fünf Millionen Groschen. Doch das Geld, meint der König, ist gut angelegt. Denn schließlich werden die Siedler “Plus” für den Staat machen. Und außerdem schlägt der König mit politischem Druck auch noch 4 Millionen Gulden Entschädigung beim Salzburger Erzbischof heraus.
1763 umfaßte die Fläche Ostpreußens etwas weniger als 40.000 km2, etwa so große wie die Schweiz heute.
Gegliedert war das Land in die Regionen Natangen, Oberland, Samland und Litauen, die auch die Verwaltungsprovinzen waren. Da die Pest besonders im nordöstlichen Teil Ostpreußens in Preußisch-Litauen gewütet hatte, wurde die Wiederbevölkerung nach der Pest gegen 1710/1711 besonders dort angesetzt. Preußisch-Litauen gliederte sich in 18 Verwaltungsämter, wobei die vier Ämter, Tilsit, Ragnit, Memel und Insterburg die meiste Fläche besaßen. Unter ihnen ist wiederum Insterburg von besonderem Interesse, als von am stärksten von der Pest betroffenes Gebiet zum Kerngebiet der Repeuplierung und damit der schweizerischen Einwanderung wurde.
Bei den Schweizern oder anderen Kolonisten, die wie bereits erwähnt, früher nach Preußen kamen, waren die Rahmenbedingungen nicht so wie sie bei den Salzburgern später waren. Der erste nachweisliche Zug von französischen Schweizern aus dem Jura fand 1710 statt, dem
später mehrere andere folgten.
Zeittafel:
-
1701-1713 Friedrich I (König in Preußen)
- 1708-1711 Grosse Pest in Preußen. Ein Drittel der Bevölkerung Ostpreußens fällt der Pest zum Opfer.
- 1713-1740 Friedrich Wilhelm I ("der Soldatenkönig")
Er festigt das Staatswesen. Er lässt Ostpreußen von Kommissionen bereisen, die das Land erfassen, den Boden bewerten und die steuerliche Ertragskraft feststellen. Von 1716-1719 werden die "Hufenschoßprotokolle" erstellt, die den Hufenschoß (vergleichbar mit der heutigen Grundsteuer) festlegen.
- 1714-1740 Repeuplierung (Wiederbevölkerung) Ostpreußens nach der großen Pest.
- 1721 Die "Kriegs- und Domänenkammer", die spätere Regierung Ostpreußens wird gegründet.
- 1732-1733 30000 Salzburger Emigranten (Protestanten) werden in Ostpreußen angesiedelt, hauptsächlich in Preußen-Litauen.
- 1736 Verwaltungreform: Ostpreußen wird geteilt in die "Deutsche oder Königsberger Kammer" und die "Litauische oder Gumbinner Kammer".
- 1740-1786 Friedrich II ("der Grosse")
- 1741/42 Friedrich nutzt die schwierige politische Situation Österreichs unter Kaiserin Maria Theresia (Erbfolgekrieg) um Schlesien zu besetzen.
- 1745 Zweiter Schlesischer Krieg. Nach mehreren siegreichen Schlachten gegen Österreich (u.a. bei Kesselsdorf ) Friedensvertrag von Dresden: Österreich bestätigt den Besitz Schlesiens gegen Anerkennung von Maria Theresias Gemahl Franz Stephan von Lothringen-Toskana als Kaiser.
- 1756-1763 Im 7-jährigen Krieg behauptet Preußen den Besitz Schlesiens (1763 Frieden von Hubertusburg.)
- 1757-1762 Während des 7-jährigen Krieges besetzen russische Truppen (unter der Zarin Elisabeth) Ostpreußen, und 1760 vorübergehend auch Berlin. Nach dem Tod der Zarin Elisabeth 1760 (Nachfolger Peter III und Katharina II) wendet sich die bedrohliche Situation für Friedrich II. ("Mirakel des Hauses Brandenburg").
- 1772 Erste Teilung Polens. Vertrag zwischen Brandenburg-Preußen, Russland und Österreich. Preußen erhält das Ermland und den Netzedistrikt. Friedrich II trägt nun den Titel "König von Preußen". (siehe Karte auf "Dokumente/Besonderheiten -1. Teilung Polens nach 1772")
- 1773 Friedrich II bestimmt, dass die alten preußischen Besitzungen (das ehemalige Herzogtum Preußen) "Ostpreußen" und das neuerworbene Gebiet "Westpreußen" genannt werden.
- 1786, 17. August Tod Friedrich des Grossen
- 1786-1797 Friedrich Wilhelm II
- 1793 Zweite Teilung Polens durch Preußen und Russland. Preußen erhält Danzig und Thorn sowie die Distrikte Gnesen, Kalisch und Posen. Bildung der Provinz Südpreußen. (siehe Karte auf "Dokumente/Besonderheiten -2. Teilung Polens nach 1793")
- 1794 Das allgemeine Preußische Landrecht fixiert die Familiennamen und weist die Kirchen an, Zweitschriften der Geburts-, Trau- und Totenregister jährlich bei den Gerichten zu hinterlegen, wovon heute nur ein Bruchteil überlebt haben.
- 1795 Dritte Teilung und völlige Auflösung Polens durch Russland und Österreich, Preußen tritt bei und erhält Teile Litauens und Masowiens mit Warschau (Neu-Ostpreußen) und der Wojewodschaft Krakau (Neu-Schlesien). (siehe Karte auf "Dokumente/Besonderheiten -3. Teilung Polens nach 1795")
- 1797-1840 Friedrich Wilhelm III
Zu guter Letzt:
Sitzen ein Preuße, ein Schweizer und ein Schwabe im Zug. Sagt der Schweizer zum Preußen: "San Zi scho mal in Züri xi?" Der Preuße schaut den Schweizer nur verständnislos an. Sagt der Schwabe: "Wissens, der meint gewähä."
@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@
Eine schweizerisch-preußische Kuriosität der Geschichte…
Einordnung
Der Kanton Neuenburg ( Neuchâtel ) ist vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert hinein in gewissem Sinne als Anachronismus in der Geschichte der Schweiz zu sehen. Während die meisten Orte der alten Eidgenossenschaft im Mittelalter ihre Abhängigkeit von Fürstenhäusern zu lösen vermochten, blieb dieser Kanton ein Fürstentum, dies zum Teil bis ins 19. Jahrhundert hinein. Es wurde von Alleinherrschern respektive von großen europäischen Fürstenhäusern regiert; darin unterschied es sich auch von den in einigen Kantonen während des Absolutismus aufkommenden Herrschaftsformen weniger in den familiären kulturellen Städten eingesessener aristokratischer Familien. Beim Übergang an das deutsche Königreich Preußen anfangs des 18. Jahrhunderts spielte auch der Zufall eine nicht unwesentliche Rolle. Die Neuenburger Bevölkerung sah sich danach in der ungewöhnlichen Situation, sowohl "Zugewandter Ort der Eidgenossenschaft“ als auch Fürstentum in der Hand berühmter Hohenzollern wie dem «Soldatenkönig» Friedrich-Wilhelm I. oder dem «alten Fritz» (Friedrich II., "aufgeklärter Absolutismus“) zu sein. Dass diese «Zufallsehe» mit Preußen eher lockerer Natur war, zeigt auch der nicht allzu große Widerstand, den der militärisch starke preußische Staat den verschiedenen Neuenburger Abspaltungs- und Demokratisierungs-Bestrebungen im 19. Jahrhundert entgegensetzte. In einem Krieg wäre der junge Schweizer Bundesstaat unterlegen gewesen.
Mittelalter
Im Mittelalter entstehen viele Städtchen und Siedlungen in den beiden Hochtälern Val de Ruz und Val de Travers, aber auch entlang des Sees, mit den für diese Zeit charakteristischen Kirchen und Burgen, von denen die meisten aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammen. Im Frühmittelalter war Neuenburg Teil des Königreichs Burgund, das im Jahr 1032 im Erbgang an den fränkischen Kaiser Konrad II. fiel. Fortan existierte es als Reichsgut mit formeller Selbständigkeit innerhalb des Heiligen Römischen Reichs (Deutscher Nation). Nach dem Erlöschen des alten Grafengeschlechts von Neuenburg und Valangin ging das Lehen 1395 an die Grafen von Freiburg (im Breisgau), 1457 an die Markgrafen von Baden-Hochburg und 1504 über die Ehe Johanna von Hochbergs mit Ludwig von Orléans-Longueville an das Haus Orléans- Longueville. Die Regentschaft der Dynastie Orléans-Longueville währte in Neuenburg bis 1707. 1643 wurde Neuenburg zum Fürstentum erhoben. Die Verbindung mit der Alten Eidgenossenschaft geht auf die Burgundische Eidgenossenschaft um die Stadt Bern zurück. 1308 verbündete sich Neuenburg erstmals mit Bern. 1406 bzw. 1427 erlangten beide Gebiete den Status eines Zugewandten Ortes, es bestanden jedoch nur Bündnisverträge mit einzelnen eidgenössischen Orten.
Reformation
Unter dem Schutz Berns, das eine Art schiedsrichterlicher Gewalt über Neuenburg ausübte, bekannten sich unter dem Einfluss des Reformators Guillaume Farel 1530 die meisten Gemeinden der Grafschaft Neuenburg und der Herrschaft Valangin zur Reformation und die Église réformée évangélique du canton de Neuchâtel entstand. Während der Wirren der Reformation wurden die dünn besiedelten Neuenburger Bergregionen zur Zuflucht vieler Hugenotten. Im Westfälischen Frieden wurde Neuenburg als souveränes Fürstentum unter dem Schutz der Eidgenossenschaft anerkannt. Die sanktionierte Verbindung mit der Eidgenossenschaft bestand darin, dass Neuenburg zu den Zugewandten Orten gehörte. Seitens der Eidgenossen wurden die Fürsten von Neuenburg als «Landleute» der Schweiz und zugleich als «treue und liebe Eidgenossen» bezeichnet, obwohl Neuenburg weder Sitz noch Stimme auf der Tagsatzung hatte, sondern es bestand lediglich ein «ewiges Schutzbündnis» zwischen dem Fürstentum und der Eidgenossenschaft.
Preußische Herrschaft
Mit dem Tod der kinderlosen Fürstin Marie de Nemours am 16. Juni 1707 erlosch die über zwei Jahrhunderte währende Regentschaft des Hauses Orléans-Longueville über Neuenburg. Unter den 15 Bewerbern um die fürstliche Herrschaft in Neuenburg wurde nicht der Prinz Conti, ein Günstling Ludwig IV. gewählt, sondern der namentlich von Bern favorisierte Friedrich I. von Hohenzollern, Kurfürst von Brandenburg und König «in» Preußen, Sohn der Prinzessin Louise-Henriette von Oranien, der einzigen Erbin des Hauses Oranien. Nach langen Verhandlungen, an denen sich auch der Philosoph, Wissenschaftler und Diplomat Gottfried Wilhelm Leibniz mit einer Staatsschrift beteiligte, erfolgte am 3. November 1707 die förmliche Anerkennung der Rechte Friedrichs I. an Neuenburg, der fortan den Titel «souveräner Fürst von Oranien, Neuchâtel und Valangin» neben seinen weiteren Titeln führte. Ludwig XIV. erkannte ihn 1712 im Frieden von Utrecht ebenfalls als Fürsten von Neuenburg an, wodurch der Streit um Neuenburg einstweilig beigelegt war. Bis zum Jahr 1806, also etwa ein Jahrhundert lang, war Neuenburg unter preußischer Herrschaft. Die preußischen Könige regierten das Fürstentum durch Gouverneure, die ihren Sitz entweder im Schloss von Neuenburg oder in Berlin/Potsdam hatten. Sie gewährten dem Fürstentum alle bisherigen Rechte und Freiheiten und mischten sich nur selten in die inneren Angelegenheiten ein. Ende 1763 kam Jean-Jacques Rousseau auf der Flucht vor der Verfolgung durch die katholische Kirche in Frankreich und durch die protestantischen Herren in Genf und im Kanton Bern nach Neuenburg, wo ihm der Gouverneur George Keith in Abstimmung mit dem preußischen König Friedrich II. in Môtiers Asyl gewährte. 1765 wurde Rousseau jedoch auf Druck der Neuenburger Pastorengesellschaft, der Vénérable Classe ou Compgnie des Pasteurs gezwungen, das Land wieder zu verlassen.
Französische Revolution
Die Nachwellen der Französischen Revolution schwappten auch nach Neuenburg über und im Jahr 1792 proklamierte Neuenburg, «hauptsächlich schweizerisch» zu sein. Es begab sich im Hinblick auf den zwischen Preußen und Frankreich bestehenden Kriegszustand 1793 unter den schützenden Mantel der Eidgenossenschaft.
Napoleonische Zeit
Die verschiedenartigen Staaten, die bis 1797 auf dem Boden der heutigen Schweiz die Alte Eidgenossenschaft bildeten, schafften es zwischen dem Ausbruch der Französischen Revolution und 1797 nicht, ihre individuellen Verfassungen den Forderungen der neuen Zeit anzupassen. In der Folge kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Eidgenossen und Frankreich. Im Dezember 1797 besetzten französische Truppen Teile des Fürstbistums Basel nördlich von Neuenburg, im Januar 1798 das Waadtland südlich von Neuenburg und im März 1798 die Gebiete der heutigen Kantone Freiburg und Bern östlich von Neuenburg. Das Fürstentum Neuenburg blieb im Hinblick auf den zwischen Preußen und Frankreich am 5. April 1795 geschlossenen Frieden von Basel von einer Besetzung und einem Anschluss an die Helvetischen Republik verschont. Erst 1806 überließ Friedrich Wilhelm III. von Preußen aufgrund des Pariser Vertrages vom 15. Februar 1806 das Fürstentum Neuenburg Napoleon I. Dieser setzte am 30. März 1806 seinen Feldmarschall Louis Alexandre Berthier als Fürsten von Neuenburg ein. Dieser besuchte nie das Fürstentum Neuenburg und ließ die alte Ordnung unangetastet.
Der Erste Pariser Frieden wurde am 30. Mai 1814 nach dem Sturz Napoleons I. (11. April 1814) geschlossen und beendete vorläufig die Koalitionskriege, die auch als Russisch-Deutsch-Französischer Krieg von 1812 und 1815 bezeichnet werden. In diesem Friedensvertrag wurde den deutschen Staaten die Unabhängigkeit und die Vereinigung durch ein föderatives Band zugesichert und der Schweiz ihre Unabhängigkeit und Selbstregierung. Infolge des Ersten Pariser Friedens verzichtete Berthier durch Vertrag vom 3. Juni 1814 gegen eine lebenslängliche Rente von 34'000 Talern auf das Fürstentum Neuenburg zu Gunsten Preußens, welches sofort wieder davon Besitz ergriff. Der König von Preußen gab dem Fürstentum von London aus am 18. Juni 1814 eine neue Verfassung (Charte constitutionelle) nach dem Vorbild der Verfassung von Genf und erneuerte die Rechte des Fürstentums als einen für sich bestehenden, von preußischen Staatsinteressen ganz getrennten Staates. In der Folge wurde das Fürstentum Neuenburg auf Basis des Bundesvertrages vom 9. September 1814, der am 7. August 1815 in Kraft getreten ist, als Kanton in die Eidgenossenschaft aufgenommen. Vom Wiener Kongress (1815) wurde Neuenburg als «Schweizer Kanton und preußisches Fürstentum» anerkannt.
Wirtschaft und Industrialisierung
Mit den Hugenotten kamen die frühe Uhrenindustrie und Automationstechnik in das Land. Die Hugenotten brachten auch die Spitzenklöppelei nach Neuenburg. Im 18. Jahrhundert stellten Kattundruck und die Herstellung bedruckter Stofftapeten die wichtigsten Exportartikel der neu entstandenen Neuenburger Industrie dar. 1826 ließ der Chocolatier Phillip Suchard seine erste Schokoladenfabrik im Neuenburger Vorort Serrières bauen und begründete damit die bekannte Marke Suchard. 1833 wurde die Stadt Le Locle durch eine Feuersbrunst praktisch vollständig zerstört und nach dem Vorbild von La Chaux-de-Fonds Seyon, der die Stadt Neuenburg immer wieder überschwemmte, in Rohre verlegt und um die Stadt herumgeleitet. 1843 wurde in La Chaux-de-Fonds die erste Synagoge wieder aufgebaut (La Chaux-de-Fonds wurde 1794 selbst bei einer verheerenden Feuersbrunst zu drei Vierteln eingeäschert und in der Folge mit einem rechtwinkeligem Grundriss neu aufgebaut). 1834 wurde in der Stadt Neuenburg die erste Akademie eröffnet und 1839 wurde der Wildbach des Kantons eröffnet.
Republikanische Verfassung
Nachdem Neuenburg als Kanton in die Eidgenossenschaft aufgenommen worden war, behielt der preußische König nur die Hoheitsrechte als persönlichen Besitz. Diese Doppelstellung Neuenburgs (Neuenburger Frage) war auf Dauer nicht haltbar. Bereits im September und im Dezember 1831 unternahmen Neuenburger Republikaner Demokraten einen Versuch, das nach dem Wiener Kongress restaurierte Ancién Regime der Royalisten zu stürzen. Der Aufstand wurde jedoch niedergeschlagen und dem Gouverneur Ernst von Pfuel gelang es zunächst, die alte Ordnung aufrecht zu erhalten. Am 1. März 1848 rebellierte die Neuenburger Bevölkerung unter der Führung von Republikanern aus Le Locle und La Chaux-de-Fonds gegen den preußischen Monarchen. Etwa 1400 bewaffnete Bergbewohner marschierten von La Chaux-de-Fonds über die Vue des Alpes nach Valangin und nahmen die dortige Burg und dann unter dem Jubel des Volkes das Schloss in der Stadt Neuenburg ein, wo die Regierung unter Ernst von Pfuel in aller Form abdankte und die Amtsgeschäfte einer neuen provisorischen Regierung übergab. Die preußische Regierung in Berlin begnügte sich mit einem Protest gegen diesen Übergriff. Ein Verfassungsrat erarbeitete in der Folge eine neue Verfassung im Geiste einer repräsentativen Demokratie, die vom Volk am 30. April 1848 angenommen wurde, und Neuenburg nannte sich fortan «République et Canton de Neuchâtel».
Royalistischer Putsch und Neuenburger Handel
Eine kleine Fraktion von Royalisten hielt sich im Kanton Neuenburg beharrlich von allen Staatsgeschäften fern und versuchte mit allen Mitteln eine Abspaltung Neuenburgs von der Schweiz zu erzwingen. An der Spitze dieser Fraktion standen der ehemalige Staatsrat von Petitpierre-Wesdehlen und der Graf Friedrich von Pourtalès-Steiger. Letztgenannter gab kurz nach der Rückkehr von einer Berlinreise am 29. August 1856 den Befehl zur Attacke, die in der Nacht vom 2. zum 3. September starten sollte. Der Befehl war «im Namen des Königs» unterzeichnet. Am Abend des 2. September 1856 drangen hunderte von Royalisten in das Schloss von Neuenburg ein, besetzten es und hissten die schwarz-weiße Flagge Preußens auf dem Turm des Schlosses. Am Morgen des 4. September 1856 drangen dann bewaffnete Republikaner in das Schloss und nahmen nach schwacher Gegenwehr die Führer des royalistischen Aufstandes gefangen. Der royalistische Putsch war gescheitert, doch die Affäre drohte zu eskalieren. König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen verlangte die sofortige Freilassung der gefangenen Royalisten, wogegen sich die Schweiz jedoch mit Nachdruck widersetzte. Nachdem der Bundesrat eine Amnestie für die Royalisten verweigerte, bereiteten sich Preußen und die Schweiz auf einen Krieg vor. Der Schweizer General Guillaume-Henri Dufour entsandte Truppen zur Grenzsicherung an den Rhein. In Basel wurde kurzfristig eine temporäre strategische Brücke (Dufourbrücke) über den Rhein gebaut, um genügend Brückenkapazität für Truppenverschiebungen auf die rechtsrheinische Seite zu haben.
Unter Vermittlung von Napoléon III. wurde der Streit friedlich beigelegt und der preußische König verzichtete im Vertrag von Paris am 26. Mai 1857 endgültig auf seinen Anspruch auf das Fürstentum Neuenburg. Im Gegenzug gewährten die Schweizer Bundesorgane im sogenannten Neuenburgerhandel den Rebellen eine Amnestie. Am 19. Juni 1857 entband der preußische König in einer feierlichen Proklamation die Neuenburger von ihrem Treueid. Damit endete auch staats- und völkerrechtlich die, mit einer kurzen Unterbrechung zwischen 1806 und 1814, 150 Jahre dauernde preußische Herrschaft in Neuenburg, selbst wenn sie faktisch bereits durch die Ausrufung der Republik im Jahre 1848 beendet worden war.

Wappen des Kanton Neuenburg
@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@
|
|
|
|